Lexikon

Häufig verwendete Begriffe im Beratungsalltag:

AFFEKT
(lat. “in einen Zustand versetzt worden sein”) ist die Bezeichnung für ein Gefühl von besonderer Stärke; er ist ein reaktiver, rasch entstehender und relativ kurz dauernder intensiver Erregungszustand, in den die psychischen Funktionen, die Motorik und z.T. das vegetative Nervensystem massiv einbezogen sind (z.B.: Blässe, Schweiß, Tränen). Häufige Auslöser: Ereignisse, die persönliche Bedürfnisse berühren. Der Affekt ist antriebs- und handlungsnahe und schwächt die bewusste Selbstkontrolle. Affekte erschweren daher meist eine konstruktive Bewältigung von Problemen.
AKTIVES ZUHÖREN
im Zuhören präsent und interessiert sein, mitdenken; sachliche und emotionale Inhalte (verbale und nonverbale) einfühlend wahrnehmen und ins Gespräch bringen
AMBIVALENZ
das Erleben, zwischen zwei gleichzeitig bestehenden, gegensätzlichen Gefühlen, Impulsen, Gedanken zu schwanken oder hin und her gerissen zu sein
AMOK
(aus dem Malaiischen) aus blinder Wut töten; die Wut ist mit einem aggressiven Bewegungsdrang verbunden (“Amok-Laufen”)
ANALOGIE
(griech., lat.) Ähnlichkeit, Entsprechung, Gleichheit
ANAMNESE
(griech. “Erinnerung”) in der Beratung ist das Gesamtbild der Feststellungen, die durch sachgemäßes Befragen von KlientInnen und/oder ihrem Umfeld über bedeutsame Ereignisse in ihrem Leben und die Vorgeschichte der aktuellen Beschwerden sowie über die Persönlichkeit der KlientInnen und ihre Lage erhoben werden.
ANTRIEB
ist die Gesamtheit aller Impulse, die zielgerichtet das Handeln auslösen (Instinkte, Triebe, Motive, Wollen). INSTINKT: ererbte Verhaltensweisen ohne reflektierte Kontrolle. TRIEB: psychischer oder somatopsychischer Impuls, der zu bestimmten Reizen und Verhaltensweisen drängt. MOTIV: (lat.) psychol.: Beweggrund. WOLLEN: bewusstes, auf ein bestimmtes Ziel ausgerichtetes Streben
ASSOZIATIONEN
(lat., franz. “Vereinigungen”) Gefühle und Eindrücke, die durch äußere Reize hervorgerufen werden und bewusst oder unbewusst aufgrund subjektiver Entsprechungen mit bereits vorhandenen Vorstellungen zu gedanklichen Verbindungen verknüpft werden. ASSOZIATIV: durch Vorstellungsverknüpfung bewirkt
AUTHENTISCH
echt, glaubwürdig
BEDEUTUNG
Aspekte, die für eine Sache, ein Verhalten oder eine Situation wesentlich sind oder als wesentlich erachtet werden. Bedeutungsgebung ist der bewusste und unbewusste Vorgang der individuellen und subjektiven Stellungnahme. Die Wertung aller Geschehnisse, Erfahrungen und Erscheinungen konzentriert sich als bzw. im “Weltbild”.
BEDÜRFNIS
Bedürfnis als Zustand ist ein Mangelerleben, das nach Befriedigung strebt. Bedürfnis als Persönlichkeitseigenschaft (=Motiv) ist das Streben, bestimmte Ziele zu erreichen oder zu verwirklichen. Bedürfnispyramide nach Maslow: Bedürfnisse sind hierarchisch strukturiert, mit den Grundbedürfnissen als Basis
BEGRIFFE
sind abstrakte, gedankliche Darstellungen der wesentlichen Merkmale von Dingen, Erscheinungen, Sachverhalten; sie sind Mittel mit deren Hilfe wir die Vielzahl unserer Eindrücke sprachlich ordnen. Sie haben die Aufgabe, ein bestimmtes Phänomen/einen bestimmten Sachverhalt von anderen Phänomenen/Sachverhalten abzugrenzen. Die Bestimmung eines Begriffs geschieht durch DEFINITION.
BERATUNG
ist gewollte und geplante Kommunikation zwischen einem oder mehreren Ratsuchenden und einer oder mehreren BeraterInnen mit dem Ziel, Probleme zu lösen oder zu bewältigen, welche die Ratsuchenden nicht selbst lösen können und dazu von fachkundigen Personen Unterstützung benötigen. Beratung kennt viele Einsatzfelder (Fach- und Sachberatungen) und Formen wie psychosoziale Beratung, Supervision, Coaching, Mediation, Intervision, Organisationsberatung, … Psychosoziale Beratung (wie in der Ehe-, Familien- u. Lebensberatung) ist ein Kommunikationsregelungsprozess zwischen den Beteiligten, in dem die ausgebildete Beraterin auf Unterstützung zur Autonomie und verbesserte Selbstregulation abzielt. Die im Beratungsprozess sich entwickelnde und zu gestaltende “Helfende Beziehung” ist dafür die Grundlage. Die Probleme werden von verschiedenen, unterschiedlich intensiven Gefühlen begleitet und sind psychologisch fundiert, das heißt, es liegen ihnen Bedürfnisse, Einstellungen, Erwartungen, Ansprüche, emotionale Verstrickungen, Gefühlszustände u.a. psychosoziale Vorgänge zugrunde, die von den Ratsuchenden verständnisvoll benannt und akzeptiert werden müssen, um für sich günstigere Lösungs- und Umgangsmöglichkeiten zu entdecken und zu realisieren, um Selbstverantwortung und Selbstbestimmung zu stärken und Entscheidungsfähigkeit zu fördern (=Ziele von Beratung).
BEZIEHUNG
Bezeichnung für die emotionale Verbindung zwischen zwei oder mehreren Menschen. Unter Beziehung versteht man weiterhin die wechselseitigen Einwirkungen und Verhaltensformen zwischen Institutionen einer Gesellschaft bzw. zwischen verschiedenen Gesellschaftsformen (Regelung und Gestaltung dieser Beziehung). Beziehungen zwischen Menschen sind hinsichtlich der Macht zur Gestaltung und zur Gestaltungslenkung (einschließlich der Möglichkeiten der Bedürfnisbefriedigung) symmetrisch = in gleichem Maß bestehend oder komplementär = einander ergänzend.
BINDUNG
Bezeichnung für eine anhaltende enge und gefühlsintensive Beziehung zwischen Menschen. Dies kann sich auch in Form von Kontaktsuche ausdrücken. Die seelische Bindungsfähigkeit ist eine wichtige Voraussetzung für die Gemüts- und Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen.
COPING
(engl. “bewältigen, überwinden”) die Art des Umgangs mit schwierigen Verhältnissen und Lebensereignissen
DEFINITION
(lat. “Ab-, Begrenzung”) heißt Beschreibung und/oder Erklärung der wesentlichen Merkmale von Sachverhalten, Dingen, Erscheinungen
DIAGNOSE
(griech. “Erkennen und Zuordnen von Phänomenen zu und in Kategorien”) in der Beratung: die Summe aller Wahrnehmungen und Erfahrungen in Bezug auf die/den Ratsuchende/n, die notwendig sind, um methodisch geleitetes Handeln begründen zu können. Diagnose in der Beratung ist keine einmalige Zuordnung, sondern ein prozesshaftes Geschehen.
DISSOZIATION
(lat. “Trennung”) ist ein Abspalten, Getrennt-Halten des Erlebens und/oder Erinnerns von damit verbundenen faktischen Informationen und Ereignissen; Dissoziation ist eine häufige Reaktion auf Traumata. Der Vorgang der Dissoziation ist eine allgemein menschliche Fähigkeit, die zunächst als Schutz gegen schwer erträgliche Erfahrungen eingesetzt wird, mit der Zeit jedoch zu psychischen Störungen führt.
DOUBLE-BIND
(engl. “Doppelbindung”) bezeichnet eine Kommunikationsform, bei der gleichzeitig einander widersprechende Mitteilungen gemacht werden, ohne dass sich der Empfänger der Situation entziehen kann (z.B. ein Kind innerhalb seiner Familie). Double-binds sind häufig. Wenn sie jedoch zum typischen Merkmal der Kommunikation innerhalb einer Familie (eines Systems) geworden sind, können sie zu schweren psychischen Irritationen führen.
EFT
(engl. Emotional Freedom Techniques) dt. Technik der Emotionalen Freiheit; ist eine Methode zur Linderung belastender Gefühle wie Angst, Stress u.a.m., die auch selbst angewendet werden kann. Von seinen Grundlagen her setzt EFT beim Meridiansystem der Traditionellen Chinesischen Medizin an und verknüpft das Klopfen bestimmter Punkte mit Elementen der Angewandten Kinesiologie und des NLP (Neurolinguistisches Programmieren).
EMOTION
(lat. “Erschütterung”) ist seelische Erregung, Gefühls-, Gemütsbewegung
EMPATHIE
(griech.) großes Einfühlungsvermögen; Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, ihre Erfahrungen zu verstehen. EMPHASE (emphatisch): nachdrückliche, begeisterte Ausdrucksweise (ausgedrückt wird die eigene innere Bewegung oder Zustimmung)
EMPFINDUNG
ist die Wahrnehmung von Sinneseindrücken
EPL
Ein Partnerschaftliches Lernprogramm. Liebe gelingt nicht von selbst. Erlebnisse erzählen, Wünsche mitteilen, Gefühle offen aussprechen, Meinungsverschiedenheiten austragen, den Alltag gemeinsam gestalten – gut miteinander reden können macht all das leichter und lässt die Zufriedenheit mit der Partnerschaft wachsen. EPL richtet sich an Brautpaare und Paare in noch jungen Beziehungen, denen es miteinander gut geht und die sich um besseres gegenseitiges Verständnis bemühen. Dieses Gesprächstraining ist weder Therapie noch Beratung. Grundlegende “Spielregeln” für gute Gespräche und faires Streiten werden in der Kursgruppe erarbeitet. Die Anwendung wird anhand eigener Themen mit dem/der eigenen PartnerIn eingeübt.
ESKALATION
allmähliche Steigerung, Verschärfung einer (Konflikt-)Situation
EVIDENZ
ist innere Gewissheit über die Gültigkeit des Wahrgenommenen
EXPLORIEREN
(lat.) erkunden, erforschen, prüfen, untersuchen
EXTERNALISIEREN
psychol.: nach außen verlagern von inneren Bildern, Auffassungen und innerem Wissen
FRUSTRATION
(lat.) Gefühl der Enttäuschung oder des Übergangenwerdens, weil die Befriedigung eines Bedürfnisses oder ein erwarteter (sozialer) Erfolg nicht eingetreten ist. Frustration wird von verschiedenen Menschen in verschieden starker Intensität erlebt. FRUSTRATIONSTOLERANZ (lat.) Fähigkeit, das Ausbleiben der Erfüllung von Wünschen oder von erwartetem Erfolg zu ertragen bzw. Bedürfnisaufschub auszuhalten.
GEFÜHL
ist ein körperlich-seelisches Grundphänomen des individuellen (subjektiven) Erlebens von Erregung (Spannung) oder Beruhigung (Entspannung). Es wird hervorgerufen von kognitiven Prozessen sowie inneren und äußeren Reizen, die als angenehm (Lust) oder unangenehm (Unlust), anziehend oder abstoßend empfunden werden. Gefühle sind komplexe Zustände und hängen eng mit dem vegetativen (autonomen) Nervensystem zusammen, so dass sie von physiologischen Veränderungen begleitet werden (z.B. Erhöhung/Reduzierung der Atem- u. Pulsfrequenz). Gefühle werden durch die jeweilige bewusste und unbewusste Bedeutungsgebung beeinflusst (Christa Gutmann: Gefühle sind seelische Stellungnahmen zu unseren Wahrnehmungen und Erlebnissen).
GEGEN
ÜBERTRAGUNG
Bezeichnung für die Übertragung, mit der ein/e BeraterIn/PsychotherapeutIn auf das Übertragungsverhalten der Klientin/des Klienten reagiert
GENDER
(engl.) bezeichnet die soziale Geschlechtsrolle, die den Geschlechtern jeweils zugeschrieben wird. Diese soziale Rolle verändert sich im Laufe der Zeit. GENDER MAINSTREAM(ING) bedeutet “systematische Einbeziehung der jeweiligen Situation, der Prioritäten und der Bedürfnisse von Frauen und Männern in alle Politikfelder, wobei das Ziel die Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern in sämtlichen Lebensbereichen ist.” (BMFSFJ)
GEWALT
bedeutet ursprünglich Herrschaft. Im heutigen Sprachgebrauch und im psychologischen Sinn bezeichnet sie den körperlichen, geistigen oder psychischen Einfluss, den jemand ausübt, um einem anderen seinen Willen aufzuzwingen.
HELFERSYNDROM
ein Modell für psychische Probleme in den sozialen Berufen: die Rolle des Helfers wird gewählt, um Ängste vor Abhängigkeit abzuwehren und um für die betreuten Personen jener idealisierte Elternteil zu sein, der in der eigenen Kindheit schmerzhaft vermisst wurde.
HYPOTHESE
(griech. “Unterstellung”) ist eine Annahme, die geeignet ist, eine Erscheinung zu erklären, die aber nicht als einzig mögliche erwiesen ist (wissenschaftlich meist Vorläuferin einer Theorie)
INKONGRUENZ
(“Nicht-Übereinstimmen”) von Carl Rogers verwendeter Begriff für seelische Vorgänge oder Zustände, die es einem Menschen wissentlich oder unwissentlich verwehren, seine Grundbedürfnisse wahrzunehmen und/oder ihnen entsprechend zu handeln. Verhalten und Bedürfnisse stimmen nicht überein, jedoch nicht aufgrund einer Entscheidung, die mit Verantwortung für die Folgen getroffen worden ist, sondern aus Gewohnheit und/oder frühen Überlebensstrategien (Angstmotivation).
INTERAKTION
(lat.) wechselseitiges, aufeinander bezogenes Handeln zweier oder mehrerer Personen
INTERVENTION
(lat. “Dazwischenkommen, -treten”) Eingreifen, Sich-einmischen
INTERVISION
(auch: kollegiale Fallberatung) kollegiale Beratung über die Arbeitspraxis und Praxisfälle ohne Außen-Experten (z.B. SupervisorIn)
INTUITION
unmittelbares, plötzliches Erkennen und Erfassen von bedeutsamen Zusammenhängen mit Evidenzcharakter, deren logische Durchdringung weit mehr Zeit in Anspruch nehmen würde. Die Intuition ist subjektiv.
KATHARSIS
(griech.) die psychische Reinigung und Läuterung durch affektive Erschütterung. Innere Spannungen und psychische Konflikte werden durch Ausdruck, in Phantasien und antriebsunmittelbaren Handlungen abreagiert
KEK
Konstruktive Ehe & Kommunikation. Das Geheimnis zufriedener Paare ist das Gespräch. KEK richtet sich an Paare, die schon längere Zeit verheiratet sind bzw. in einer festen Beziehung leben und die sich und ihrer Partnerschaft etwas Gutes tun wollen. KEK eröffnet neue Perspektiven *für den konstruktiven Umgang mit Erwartungen und Vorstellungen und für Wege, sie in die Partnerschaft einfließen zu lassen *für das richtige miteinander Sprechen *für das richtige einander Zuhören *für die Selbstreflexion *für partnerschaftliche Lösungsstrategien im Konfliktfall. KEK baut auf Paararbeit auf, ist aber weder Therapie noch Beratung und auch keine Gruppenselbsterfahrung. Was in der Gruppe durch Vorträge und das Erarbeiten von Regeln erfahren wird, kann in Selbstreflexion und Austausch mit dem/der eigenen PartnerIn erprobt werden. Dafür steht jedem Paar ein eigener Raum zur Verfügung. Die TrainerInnen begleiten teilweise die Gespräche und achten auf die Einhaltung der Regeln. Bereits während des Kurses erleben Paare durch die intensive Erfahrung und das unmittelbare Einüben einen echten Nutzen. Das macht Lust darauf, das Erlernte mit in den Alltag zu nehmen und daran weiter zu arbeiten.
KLIENTIN
(lat.) heute im psychosozialen Bereich: KlientIn ist eine Person, die bei einer Fachfrau/einem Fachmann (PsychologIn, BeraterIn, SozialarbeiterIn, RechtsanwältIn etc.) Beratung sucht
KOMMUNIKATION
(lat.) ein Prozess, in dessen Verlauf Informationen von einer Person an eine andere übermittelt werden. Gelingende Kommunikation setzt ein gemeinsames soziales Wissen der Beteiligten voraus.
KOMPETENZ
bezeichnet die Fähigkeit bzw. den Umfang der Fähigkeit eines Menschen, bestimmte Aufgaben selbstständig durchzuführen bzw. durchführen zu dürfen (Handlungs- und Entscheidungsvollmacht). Kompetenz kann sich auf verschiedene Bereiche beziehen: soziale Kompetenz auf den zwischenmenschlichen Bereich, Sachkompetenz auf Kenntnisse, Basiskompetenz auf grundlegende Fertigkeiten etc.
KOMPROMISS
ist eine Einigung der Konfliktparteien, in der alle Parteien auf die Durchsetzung eines Teils ihres Anliegens verzichten
KONFLIKT
(lat. “zusammenstoßen, kämpfen, streiten”) Zusammenstoßen von gegensätzlichen, unvereinbaren Interessen in für die Beteiligten wichtigen Angelegenheiten und Zusammenhängen bei gleichzeitigem Bestehen von Realisierungstendenzen. Zwischenmenschlichen Konflikten liegen meist unbenannte Bedürfnisse und/oder Gefühle zugrunde. KONFLIKTFÄHIGKEIT Fähigkeit, Konflikte rechtzeitig zu erkennen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen und sie fair auszutragen oder mit ihnen leben zu lernen (nach Christa Kolodej: weder konfliktscheu noch streitlustig, sondern aktiv und rücksichtsvoll).
KONSENS
(lat. “Übereinstimmung, Einigkeit”) ist eine sachbezogene Einigung ohne verdeckten oder offenen Widerspruch
KONTAKT
(lat. “Berührung, Verbindung”) in der Beratung bedeutet “Kontakt herstellen” – die Bereitschaft der BeraterInnen, mit den KlientInnen Beziehung aufnehmen zu wollen. Dies zeigt sich z.B. im “aktiven Zuhören”, im “offen Sein” für die KlientInnen, im wertschätzenden, respektvollen und akzeptierenden Eingehen auf die KlientInnen und deren Anliegen.
LAT-Beziehung
(engl. “living apart together”) seit den 1970er Jahren gebräuchliche Bezeichnung für eine Paarbeziehung, in der das Paar trotz fester Bindung auf getrennten Wohnungen besteht. Mittlerweile häufig sind Paare, die aus beruflichen Gründen getrennte Haushalte führen; hier ist die Freiwilligkeit nicht immer gegeben.
MEDIATION
(lat. “Vermittlung”) eine auf Freiwilligkeit der Parteien beruhende Tätigkeit, bei der eine fachlich ausgebildete, neutrale Vermittlerin (Mediatorin) mit anerkannten Methoden die Kommunikation zwischen den Parteien systematisch mit dem Ziel fördert, eine von den Parteien selbst verantwortete Lösung ihres Konfliktes zu ermöglichen (Öster. Bundesgesetz). Mediation ist ein freiwilliges, nicht-förmliches und kooperationsorientiertes Verfahren zur Entwicklung sachgerechter, gemeinsam getragener, rechtsverbindlicher Problemlösungen.
METAEBENE
ist die Sichtweise, in der handelnde/kommunizierende Personen ihr/e und ihrer Partner Handeln/Kommunikation betrachten
METAPHER
(griech. “anderswo hintragen”) ist die durch einen bildlichen Vergleich übertragene Bedeutung eines Ausdrucks (die Bedeutung wird auf ein Sinnbild, das der Veranschaulichung dient, übertragen). METAPHORISCH = (sinn-)bildlich; (ähnlich dem “Gleichnis”)
METHODE
(griech. “Nachgehen”) ist die theoriegeleitete, voraus gedachte und geplante Vorgangsweise (das Wissen, wie man es macht), um Probleme und Aufgaben zu lösen oder Erkenntnisse zu gewinnen. METHODIK ist die Lehre von den konkreten Umsetzungsmöglichkeiten (=Techniken) einer anerkannten Methode in Verbindung mit fachrelevantem Training des praktischen Handelns (=Techniken werden geübt).
MOTIVATION
(lat. “in Bewegung setzen”) innere Bereitschaft für ein Verhalten; sie bestimmt Intensität, Richtung und Ablauf des Verhaltens
NARZISSMUS
Ursprung ist die griech. Sage von Narkissos – bezeichnet das selbstgefällige Gefangensein in sich selbst; dadurch ist das Einfühlen in die Welt eines anderen sehr erschwert
NEUROLOGIE
ist die medizinische Lehre vom zentralen und peripheren Nervensystem und seinen Erkrankungen sowie ihrer Behandlung. Erkrankungen: z.B. Multiple Sklerose, Epilepsie, Kinderlähmung, Parkinson
NEUROLOGIN
Facharzt/ärztin für Neurologie. Noch vor kurzer Zeit war Facharzt/ärztin für Psychiatrie gleichzeitig auch Facharzt/ärztin für Neurologie und der damalige Gesamt-Fachbereich nannte sich Nervenheilkunde; viele der derzeit tätigen ÄrztInnen sind noch beides. Umgangssprachlich sprach und spricht man hierzulande auch heute noch vom “Nervenarzt” und vom “Nervenleiden”, wenn man einen Psychiater und psychiatrische Erkrankungen meint.
PERFORMANZ
bezeichnet die Fähigkeit, Kompetenzen praktisch wirksam umzusetzen
PHÄNOMEN
(griech. “etwas, das sich zeigt”) ist eine wahrnehmbare Erscheinung
PROBLEM
ist eine ungelöste Frage oder schwierige Aufgabe und Belastung, die geklärt oder beseitigt werden soll
PROJEKTION
(lat. “hin-, vor-, hinauswerfen”) psychol.: Verlegung eines eigenen unbewussten Motivs (Gefühl, Bedürfnis, Vorstellung, Impuls) aus sich hinaus in eine andere Person
PROPÄDEUTIKUM
Vorbereitung, Einführung - in Österreich Kurzbezeichnung für den allgemeinen Teil der Psychotherapie-Ausbildung (korrekt: psychotherapeutisches Propädeutikum)
PROZESS
(lat.) ist Fortschreiten, Verlauf, Entwicklung; Geschehen (Beratung; Gerichtsverfahren)
PSYCHE
(griech. “Seele”, “Hauch”, “Atem”) ist die Gesamtheit aller seelischen Prozesse. PSYCHISCH (heute allgemein sprachlich für seelisch) bedeutet: das seelische Erleben und den seelischen Zustand betreffend. PHYSISCH oder SOMATISCH bedeutet körperlich. PSYCHOGEN bzw. SOMATOGEN bedeutet seelisch bzw. körperlich bedingt
PSYCHIATRIE
ist die medizinische Wissenschaft von den Geistes- und Gemütskrankheiten sowie deren Behandlung PSYCHIATERIN: Facharzt/-ärztin für Psychiatrie
PSYCHISCHE STÖRUNGEN
Bezeichnung für die Verhaltens- und Erlebensweisen eines Menschen, die von den Normen einer Gesellschaft abweichen und für die betroffene Person oder die Gesellschaft mit Beeinträchtigungen verbunden sind.
PSYCHOLOGIE
ist die Wissenschaft, die sich mit Erleben und Verhalten befasst. PSYCHOLOGIN: Fachmann/-frau, die Psychologie studiert hat
PSYCHOSE
(psychische Krankheit, Geisteskrankheit, Gemütskrankheit) bedeutet den zeitweisen Verlust der Beziehung zur Wirklichkeit seiner selbst und jener der Mitmenschen. Psychisch Kranke benötigen psychiatrische und oft stationäre Behandlung, so z.B. bei Schizophrenie oder manisch-depressiven Zuständen.
PSYCHOSOMATIK
Lehre von den auf seelisch-körperlichen Wechselwirkungen beruhenden körperlichen Störungen und Erkrankungen sowie ihrer Behandlung. Voraussetzung: Verständnis des Menschen in den Dimensionen seiner biologischen, physiologischen, psychischen, geistigen, sozialen, spirituellen und kulturellen Ganzheit
PSYCHOTHERAPIE
ist die nach einer allgemeinen und besonderen Ausbildung erlernte, umfassende, bewusste und geplante Behandlung von psychosozial oder auch psychosomatisch bedingten Verhaltensstörungen und Leidenszuständen mit wissenschaftlich-psychotherapeutischen Methoden in einer Interaktion zwischen einer/m oder mehreren Behandelten und einem oder mehreren PsychotherapeutInnen mit dem Ziel, bestehende Symptome zu mildern oder zu beseitigen, gestörte Verhaltensweisen und Einstellungen zu ändern und die Reifung, Entwicklung und Gesundheit der/s Behandelten zu fördern (Österr. Bundesgesetz).
REFLEXION
(lat. “Zurückbeugung”) ist Selbstbetrachtung des Bewusstseins oder des Bewusstgewordenen
REGRESSION
(lat. “Rückschritt”) allgemeine Bezeichnung für das Zurückgleiten und Zurückgreifen auf Befindlichkeiten früherer Entwicklungsstadien
SELBST-
VERWIRKLICHUNG
Soziale Anerkennung, soziale Beziehungen, Sicherheit, körperliche Grundbedürfnisse, Bedürfnisse motivieren oft unbewusst oder unausgesprochen Verhaltensweisen, Symptome und Konflikte. Beratung soll daher den KlientInnen helfen, ihre eigenen Bedürfnisse wie auch jene ihrer sozialen Umwelt zu erkennen, zu benennen und zu akzeptieren, um Lebenssituationen besser gestalten und Konflikte eher lösen zu können.
SETTING
darunter werden die Rahmenbedingungen von Beratung (auch Psychotherapie) verstanden wie Ort, Kosten (freiwillige Kostenbeiträge), Zeitpunkt, Dauer der Gespräche, Intervalle, die teilnehmenden BeraterInnen und KlientInnen
SOMATOGEN
körperlich bedingt
SOMATISCH
oder PHYSISCH
körperlich
STRATEGIE
(griech. “Heerführung”) ist der Entwurf eines Planes von Vorgangsweisen, um ein konkretes Ziel zu erreichen (Krieg gewinnen). In der Beratung: ein bestimmtes Problem lösen, z.B. den Arbeitsplatz erhalten wollen
SUPERVISION
ist ein arbeitsfeldbezogener und aufgabenorientierter Beratungsansatz für Menschen in Beruf, Ehrenamt, Ausbildung oder Berufsvorbereitung. Supervision hilft, das berufliche Handeln zu reflektieren, effizient und zufrieden stellend zu gestalten und besser mit dem Privatleben zu vereinbaren. Coaching ist eine Form der Supervision für Führungskräfte (Definitionen nach ÖBVP und ÖVS), in der jedenfalls konkrete Anregungen zu Verhaltensweisen und Handlungen vom Coach gegeben werden
SYMBOL
(griech.) Zeichen für etwas, Sinnbild. SYMBOLIK sinnbildlicher Gehalt von Worten und bildl. Darstellungen
SYMPTOM
(griech. “vorübergehende Eigentümlichkeit”) Hinweis, Anzeichen, äußerer Ausdruck, Merkmal, Vorbote, Anzeichen einer tiefer liegenden Ursache (z.B. Krankheit oder Verletzung). Das Symptom ist außerdem eine subjektiv empfundene Beschwerde. SYMPTOMATIK bezeichnet eine Kombination aus mehreren Symptomen oder den Verlauf eines Symptoms
TAKTIK
(griech. “Aufstellung”) ist kluges und geplantes Verhalten und Vorgehen innerhalb einer Strategie (ein Einzelziel erreichen), z. B. eine im Unternehmen einflussreiche Person durch sachliche Leistung beeindrucken wollen
TECHNIK
(griech. “Kunstfertigkeit”) sind Fertigkeiten, mit denen Mittel (Maßnahmen, Verfahren, Objekte) zu vorgegebenen Zwecken angewandt werden. In der Beratung z.B.: aktives Zuhören, weiterführende Fragen stellen, KlientInnenmitteilungen wiederholen, Wünsche formulieren lassen, Gefühle benennen u.v.a.
THEORIE
(griech. “Betrachtung, Anschauung”) ist die umfassende wissenschaftliche Erklärung (der Sinnzusammenhang von Ideen) eines Gegenstandsbereiches, die sich in Versuch und Beobachtung bewähren muss
TRIANGULIERUNG
(lat. “Triangulum = Dreieck”) psychoanalytischer Begriff: in der frühkindlichen Entwicklung die Unterstützung des “Dritten” (Vater) zur Ablösung aus der “Dyade” (griech. “Zweiheit”) der Mutter-Kindbeziehung. Begriff der systemischen Therapie: Triangulierung ist die Delegierung eines Konfliktes zwischen zwei Personen an eine dritte, an und für sich unbeteiligte Person
UNBEWUSSTES
umgangssprachlich wird dieser Begriff verwendet, um deutlich zu machen, dass ein Mensch von Motiven geleitet wird, die ihm (auch sich reflektierend) in seinem Bewusstsein nicht zugänglich sind
ÜBERTRAGUNG
allgemeine Bezeichnung für den meist unbewussten Vorgang, Einstellungen, Gefühle und Erwartungen, die ein Mensch gegenüber früheren Bezugspersonen hatte (z.B. Eltern), auf andere Personen und Situationen zu übertragen
WAHRNEHMUNG
unmittelbares Erkennen. Bewusstsein von Vorgängen oder Objekten (ist immer subjektiv)
WUNSCH
ist ein Gefühl oder ein Gedanke, der eine Veränderung der Realität als positiv bewertet, ohne dass die/der Wünschende selbst an dieser Veränderung teilnimmt. Oft richtet sich ein Wunsch auf die Veränderung der eigenen Lebensumstände, auf die Befriedigung von Trieben oder konkret auf das Erhalten bestimmter Dinge (ich wünsche mir ein neues Kleid).

Zusammengestellt von Helga Goll und Christa Gutmann